Mit einer Festrede und Geschenken der Kreisleitung fängt es an.
Der Kreis-Chef tritt, ein bildhaft schönes hellbraunes Pferd mit schwarzer
Mähne in silberbeschlagenem Zaum an der Hand führend, vor die
Bühne, überreicht es mir, zusammen mit einer Urkunde, in der es
heißt, ich hätte den Namen und die Traditionen des Hohen Altai
Millionen Menschen nähergebracht und wäre dabei selber zu einem
Schriftsteller von Weltruhm erwachsen. Die Chefin der
Volksvertretung folgt ihrem Chef mit einer persönlichen Spende von
einer Million Tugrik für unser Fest.
Es bleibt aber nicht bei dem einen Pferd und der Million Tugrik!
Immer wieder kommen Menschen mit Geldumschlägen zu ihrem
Erstlingshelden und gratulieren ihm. Im Laufe des Tages bekomme ich
nochmals einen neuen Deel, diesmal einen bühnenreifen, rotblauen
D´wa-Lawaschak. Die Spender sind Nachkommen meiner Base
Marshaa, der ältesten der vielen Töchter unseres Onkels Sama und
dessen Frau Pürwü. Mehr als fünfzig Personen umkreisen mich,
ziehen mir den westmongolischen Deel aus und kleiden mich neu ein –
übrigens, Tage später gehen wir an dieser Stelle vorbei und finden auf
der Wiese zwei Hustenbonbons, die ich an jenem Tag im Brustlatz
getragen hatte - überreichen mir außerdem eine Silberschale und noch
ein Pferd. Dem dann ein weiteres folgt, diesmal von den Nachkommen
von Schirning, einem Vetter unseres Vaters.
Meinen Dank spreche ich in vier verschiedenen Sprachen aus:
mongolisch, tuwinisch, kasachisch und deutsch, denn es wohnt auch
eine deutschsprachige Reisegruppe unserem Fest bei. Sie ehrt mich
mit einer gehaltvollen Rede und einem Geldgeschenk, das kunstvoll
fein gefaltet, mit Bonbons dekoriert und an einem Faden aufgehängt
ist. Die Tugrikscheine erinnern uns an einen Baum. Solche Dekoration
habe ich noch nie gesehen und von meinen Leuten offensichtlich auch
keiner. Ich zeige es später herum und sage: Selbst da könnten wir von
unseren fernen Gästen lernen, wie man Geldscheine als Geschenk
anbringen kann.
Kasachische Menschen zeigen sich genauso erfreut über meine
Auszeichnung wie die Tuwa, denn ich bin doch, um es hier noch
einmal zu erklären, im lokalpatriotischen Sinne auch deren Erstling
mit dem Titel – der Landkreis Zengel mit seinen 10500 Einwohnern
hatte bislang keinen eigenen Helden gehabt. So erreichen mich
Geschenke genauso aus kasachischen Ecken, und in der Hinsicht
merke ich diese eine Sache: Die welterfahreneren Kasachen verstehen
es, ihre Gemütswallungen heftiger und überzeugender auszudrücken
als wir Tuwa. So sprechen und singen sie lauter, drücken einem die
Hand fester, laden einen offener zu Konak, als meine
Stammesangehörigen. Hier ein Beispiel: Von einem gewissen Tönkeris,
an den ich mich nicht zu erinnern vermag, Arzt von Beruf und
geboren im gleichen Jahr wie ich, überbringt mir ein Tuwa-Mann
sogar eine Videobotschaft samt 60 000 Tugrik. Der Gratulant spricht
vom Tör einer gewaltigen Kasachenjurte aus Folgendes ins Handy: „O
mein Kurdas, hör mir bitte zu! Mich kennt nur das Volk unseres
Landkreises, dich aber die Bewohner vieler Länder. So freue ich mich
über deinen Heldentitel nicht anders, als wäre er mir selber verliehen
worden. Versuche bitte, Dich weiterhin gesund und nützlich für das
Wohl der Menschheit zu erhalten! Hier schicke ich Dir über meinen
Freund aus Deinem Stamm diese drei 20 000-er Scheine, wohlwissend,
du wirst dadurch nicht reicher, genauso, wie ich davon nicht ärmer
werde. Halte es aber für eine liebe Geste vonseiten eines Deiner
Mitbewohner unserer gemeinsamen Wiege Altai!“
In den nächsten Tagen genießen wir die schöne Altaiwelt und folgen so
manchen Einladungen zu kleinen Jurtenfesten, die uns zum wievielten
Mal nun schon zeigen, wie unkompliziert solche zustande kommen
und welch große Freude sie im Herz- und Seelenraum zu erwecken
imstande sind. Hier denke ich an unseren Besuch im jenseitigen
Wacholdertal bei der Familie Hörwe und Hartabora. Da wir mit dem
Auto wegen des hohen Wasserstands nicht durch den Fluss zu fahren
wagen, rufen wir die spielenden Kinder am anderen Ufer herbei und
fragen, ob ein Erwachsener da sei. Ein Mädchen rennt zur hintersten
Jurte und sogleich kommt ein Mann heraus. Er tritt barfuß ins kalte
Wasser des wild strömenden Gletscherflusses und räumt dort große
Steine zur Seite, befreit auf diese Weise die Furt von Hindernissen.
Dann zeigt er uns genau, wie zu lenken sei, damit wir unbeschadet an
das andere Ufer gelangen.
In der Jurte sehen wir weitere Kinder, darunter drei ziemlich gleich
große Mädchen dicht beieinandersitzend und eine jede mit einem
Brett auf dem Schoß, Mengen ausgerollten Teigs zu Nudeln
schneidend, sodass uns vorkommt, wir wären in eine
Nudelmanufaktur geraten.
Ihnen gegenüber spielen kleinere Kinder still und friedlich
miteinander. Während des Teetrinkens erfahren wir, dass die beiden
noch jungen Eltern schon sieben eigene und dazu noch zwei
Waisenkinder bei sich aufgenommen haben. Draußen im
Jurtenschatten sitzend essen wir Zuiwang – geschnetzeltes Fleisch
zusammen mit gedämpften Nudeln gebraten. Dass unangemeldet
plötzlich drei zusätzliche Esser aufgetaucht sind, bereitet den
Jurtenbewohnern offensichtlich keinerlei Problem.
Es schmeckt gut, wie jedes Essen im Freien und vor allem begeistert
uns die Fröhlichkeit der Kinder und der kleinen Geißlein um uns
herum, einige davon schneeweiß, andere kohleschwarz. Mir sind sie
als Nachkommen zwei verschiedener Züchtungen von Kaschmirziegen
bekannt. Die schwarzen vor dreißig, vierzig Jahren aus der
Sowjetunion, die weißen erst vor drei, vier Jahren aus der tausend
Kilometer entfernten südlichen Gobi herübergebracht. Pindik, unser
Fahrer, ist stolz und froh sie dort zu sehen, denn er erkennt sie als die
Nachkommen der siebenunddreißig Vater- und acht Muttertiere, die
er damals in einem Kleintransporter herübergefahren hat.
Am Vortag des nächsten und vorerst letzten Festes umrunden wir im
Auto bei Gewitter den Schwarzen See. Dabei sehe ich mit wehmütiger
Freude meine Sommerheimat vor einem reichlichen Jahrsechzig
wieder. Das südliche Ufer, wo wir damals übersommerten und dabei,
um das Staatssoll zu erfüllen, jeden Abend und Morgen die gemolkene
Milch an der Sammelstelle abgaben, ist heute eine Wohnstätte nur
kasachischer Familien geworden. Am gegenüberliegenden Ufer, in der
Bucht unterhalb unseres Familien-Owoos, wohnen noch Tuwa-Leute.
Ich möchte die Jurte besucht haben, die genau dort steht, wo damals
unsere Jurte gestanden hat.
Drinnen ist aber niemand. Deshalb gehen wir zu der nächsten Jurte
und ich erkenne in dem ersten Menschen, der uns verlegen grüßt,
gleich einen Nachkommen von Sumun-Sekretär Madshig mit dem
Spitznamen Baschbaar – Kopf-ab! – denn der Mensch galt im Volk als
ein ängstlich-treuer Diener des Staats, geblieben dabei gütig und
weichmütig den Mitmenschen gegenüber, da er die dreißiger Jahre mit
den Massenverhaftungen und -erschießungen hatte miterleben
müssen. Er pflegte, einen bei kleinem Ungehorsam schnell zu warnen:
„Sag und mach das bitte nicht, sonst Kopf ab, mein Lieber!“
Ein Nachkomme jenes friedfertig-ängstlichen Staatsdieners bewohnt
seit vielen Jahren diese steil abfallende Bucht in den Sommermonaten
mit seiner Sippe. Damals müsste mein Gegenüber noch ein kleines
Kind gewesen sein, denn ich kann mich an ihn nicht erinnern, obwohl
ich seine große Schwester Guman und deren kleinen Bruder Dostu
kannte, mit dem ich sogar rührend eng befreundet gewesen. Beide
sind heute leider nicht mehr am Leben. Aber deren kleiner Bruder
Baatarhuu – Heldenjunge – erinnert sich dankbar einer Gabe von uns
vor gut dreißig Jahren an seinen ältesten Sohn, dessen Jurte nun auf
dem damaligen Platz unserer Jurte steht. Nachdem das
kommunistische Regime zusammengebrochen und religiösen
Tätigkeiten jeder Weg freigeworden war und wir Nachkommen von
Hylbang den Familien-Owoo auf dem Haaj-Oruk wiedereinweihten,
haben wir, dem Beispiel jenes großen Vorfahren folgend, ein Fest
veranstaltet und dabei an das Volk Wohltätigkeitsgaben verteilt. Ja,
da habe ich als Häuptling unter anderen den minderjährigen Hüter
einer Schafherde in sichtbarer Nähe herübergerufen und ihm einen
Anteil wie jedem Festteilnehmer in die Hand gedrückt, mit den
Worten: „Bringe, Junge, diese Gabe zu deinen Eltern mit dem Gruß
des jüngsten Enkels vom Gründer des hier und heute wiedergeweihten
Owoos nach so vielen Jahren!“
Am 21. Juli findet das inzwischen schon zur Tradition gewordene
Kunst- und Kulturfestival des Tuwa-Volkes Hey-A`t – Segen zum
Glück – in der Ebene des Gusgunnug, Rabental statt.
Der Morgens fällt sehr kalt aus und es regnet so stark, dass das
Regenwasser vom Schornsteinrohr aus in die Jurte läuft und bei einer
heftigen Sturmbö löst es sich aus der Verankerung, sodass wir schnell
eingreifen müssen. Das Wetter verzögert die Abfahrt, aber nach etwa
einer Stunde klart der Himmel doch auf und wir begeben uns zum
Festplatz. Die Bogenschützen haben mit ihrem Wettkampf schon
begonnen und auch die Reiter sind bereits gestartet. Hier und da hat
man einige kleine Verkaufsstände aufgebaut und festlich gekleidete
Menschen schlendern dazwischen entlang.
Wir werden gebeten, im Hauptzelt Platz zu nehmen, direkt vor uns
den Festplatz und den Haarakan, der unter dem nun blau strahlenden
Himmel groß und erhaben aufragt. Weitere Gäste betreten das Zelt,
sodass es zu traditionellen Begrüßungen kommt. Galtai erscheint mit
einer Gruppe von gerade erst angereisten Gästen aus dem
deutschsprachigen Europa, so auch mit den Mitgliedern seiner
Familie.
Recht bald nach der offiziellen Eröffnung des Festivals durch dessen
diesjährigen Organisator kommt der aufregendste Moment: die
Übergabe meiner Führungsvollmacht als bisheriger Häuptling an
meinen jüngsten Sohn Galtai. Wir, Vater und Sohn, treten in die Mitte
des Platzes und werden, ein jeder von seinen Begleitern, umgekleidet.
Zuerst löse ich meinen Gürtel mit dem schweren Feuerzeug und dem
ellenlangen Dolch, den Wahrzeichen der Häuptlingswürde, ab und
reiche dieses gewichtige, klirrende Gepäck hinüber. Und dann nehme
ich meine Mütze, gealtert mit mir, begleitend mich als beschützendes
Schild durch viele Jahre und Orte und durchtränkt dabei bestimmt
vom Schweiß meines Kopfes, den Ausdünstungen meines Körpers, so
auch von sehr unterschiedlichen Gerüchen und Ausstrahlungen all der
von mir betretenen Ecken des Planeten Erde und mir begegneten
Lebewesen daselbst, vom Haupt ab, führe sie beidhändig gegen die
Stirne, halte sie reichliche Pulsschläge lang daran, mit geschlossenen
Augen, mich bei ihr bedankend dafür, dass ich solange, bis mein
pechschwarzes Haar im Zeitenwind hat erbleichen müssen, in ihrem
Schutz einen klitzekleinen zwar, aber stolzen Volksführer habe
darstellen dürfen, und betend, dass sie meinen Nachfolger samt
unserem kleinen, gefährdeten Volk weiterhin beschirmen möge. Und
dann endlich setze ich sie dem Sohn als eigener Fortsetzung mit
flammenden Vaterwünschen auf den Kopf. Und in diesem Augenblick
mochte Galtai, von Fremden flüchtig geschaut, mich um einen halben
Kopf überragen, für mich jedoch, steht er aufgeregt, verlegen und
hilflos vor mir, wieder einmal jenes kleine Kindswesen, das er einmal
gewesen ist. So lege ich die Innenflächen beider Hände um seine
jungen, ja, in meinen geistigen Augen immer noch kindhaft zart
wirkenden Backen, ziehe den Kopf, seit ein paar Pulsschlägen unter
der Häuptlingsmütze mit den flammendroten Fransen, zu mir heran
und berieche ihn an beiden Schläfen.
Schon beim Anlegen meines neuen Gürtels merke ich eine sehr
deutliche Erleichterung. Denn habe ich seit Jahren bei jeder
Ankleidung immer einen Helfer gebraucht, nun habe ich es ganz allein
geschafft. Und die neue Tuwa-Mütze kommt mir so leicht und bequem
vor. Also meine ich: Jeder Würde haftet auch eine gewisse Bürde an.
Anschließend richte ich eine kurze Abschiedsrede an das eigene Volk
mit Dank dafür, dass ich so viele Jahre dort, wo ich war, mich am
guten Ruf unseres Tuwa-Volkes immer habe sonnen dürfen, und bitte
darum, meinem Sohn weiterhin so beizustehen, wie vormals ein jeder
nach eigenen Kräften es auch bei mir getan hat, denn ich habe das
Amt, wie ich es zu wissen glaube, in gute Hände gelegt. Sage dann
auch noch, dass ich ab diesem Augenblick nur ein D´wa Aschgyjak –
ein alter Tuwa-Mann – bin, weiterhin gewillt aber anhand meiner
Lebens- und Welterfahrung, unserem Volk und einem jeden seiner
Mitglieder bei Schwierigkeiten beizustehen…
Die Rennpferde sind inzwischen am Ziel angekommen und die
Ringkämpfe beginnen. Einige Erwachsene und viele Kinder und
Jugendliche treten an. Am schönsten ist es, den ganz Kleinen
zuzuschauen, die sich in der Reihe aufstellen und zum Schluss auch
kämpfen. So spielerisch leicht treten sie gegeneinander an und werden
freundlich an die richtige Seite geleitet, wenn sie in der Aufregung
vergessen, wohin und wie sie nach ihrem Sieg oder ihrer Niederlage zu
laufen haben. Es ist erfrischend und erheiternd, diesen kleinen
Ringern zuzuschauen. Zum Schluss bleiben ein hochgeschossener
Junge und ein niedlich kleiner Steppke für den Endkampf übrig. Ganz
liebevoll hebt der viel Größere und natürlich Stärkere den puppenhaft
Kleinen hoch und legt ihn sanft auf dem Boden ab. Sagt ihm lobende
und ermunternde Worte wohl: Wachse und werde ein großer Ringer!
Beide bekommen später ihre verdienten Preise.
Am nächsten Tag beginnen wir, unsere Sachen für die Weiterreise
zusammenzupacken, werden von unseren Gastgebern am Abend zum
Tee und Essen in die Jurte gebeten und so auch am nächsten Morgen
zum Abschiedsessen eingeladen, denn wir fahren anschließend nach
Zengel.
Ich hatte um einen Gesprächstermin mit dem Chef der Kreisleitung
gebeten, denn ein Herzensanliegen von mir ist die Wiederherstellung
des zerstörten Tuwa-Friedhofs, den ich unter Verwendung
beträchtlicher Mittel vor Jahren angelegt hatte und in den folgenden
Jahren aber wohl von muslimischen Chauvinisten brutal zerstört
worden ist.
Ich kündige, zunächst mündlich, Strafanzeige an und fordere von der
Kreisleitung mit allen ihren Gesetzes- und Finanzorganen
Schadensersatz für die abgeholzten Bäume, den zerstörten Brunnen
und den gestohlenen Zaun. Mir wird versichert, dass nach den Tätern
gesucht und fortan unser Friedhof besser geschützt werden soll.
Ja, der Friedhof, der bietet wirklich einen traurigen Anblick als wir
bei unserer Weiterfahrt dort haltmachen und den Toten unsere Ehre
erweisen. Die Gräber meiner Eltern und Verwandten sind noch
vorhanden und die Inschriften auf den Steinen meist lesbar, aber, kein
einziger Baum wächst dort mehr, das Brunnenhaus mit der Pumpe ist
zerstört. Und überhaupt: dass es hier einmal einen Zaun mit einem
jungen Wald gegeben hat, kann man längst nicht mehr erkennen,
während der kasachische Hauptfriedhof, damals ohne Zaun, heute
bestens bezäunt und beschützt vor den Augen aller daliegt.
Nun, wir werden sehen, wie es weitergeht. Ich habe dem höchsten
kasachischen Vertreter am Ort gesagt, dass ich die Weltgemeinschaft
bis zur UNO darüber informieren könnte, und ich hoffe, er wird diese
meine Worte nicht für eine leere Drohung gehalten haben.
So verlassen wir also den Altai, seine Berge, Flüsse, Steppen und
fahren in Richtung des großen Khirgas-Sees im Nordwesten des
Landes. Die Landschaft wird immer trockener, viele Kamele sehen wir
rechts und links der Piste und einige auch direkt auf dem Weg. Nach
vielen Hundert Kilometern Fahrt taucht und taucht der See immer
noch nicht auf, obwohl wir immer wieder meinen, Wasser am
Horizont zu sehen. Es ist wohl nur eine Luftspiegelung gewesen. Die
Sonne geht unter, der Himmel strahlt noch in einem zarten violetten
Licht, als wir ganz plötzlich in einer Senke den riesigen See ganz dicht
vor der eigenen Nase liegen sehen. Dabei gleicht er einem Meer. Das
Ufer ist sandig und es gibt auch Möwen, wie in Deutschland an der
Ostsee, nur dass der Strand menschenleer ist. Mithilfe des Lichts von
einer Solarlampe bauen wir schnell unser kleines Zelt auf, lassen die
Eingangstür offen und schauen wieder einmal direkt in das Glitzern
und Leuchten des vollkommen klaren Sternenhimmels über uns.
Am nächsten Morgen, zu früher Stunde waschen wir uns am See,
trinken Tee und kommen ohne größere Probleme durch den Sand
zurück auf die Piste, die bald in eine Asphaltstraße übergeht. Nun
werden wir schnell vorankommen und den Riesen Mongolei irgendwie
an der Körpermitte packen, um am nächsten Tag noch bei
Sonnenlicht am Ziel, im eigenen Hof und Haus anzukommen.
Und so geschieht es auch. Am Abend des nächsten Tages freuen wir
uns über den Empfang mit frischem Milchtee und dem nun schon zur
Tradition gewordenen Empfangsmenü nach jeder anstrengenden
Reise, bestehend aus Haus-Bansch in einer Zwiebelbrühe vom
Hammel-Lendenwirbel und -Beckenstück in der eigenen Küche und
blicken auf den Garten mit den wie um die Wette gewachsenen
Bäumen und Sträuchern. Unsere Kinder und das Enkelvolk schauen
schnell herein, um uns zu begrüßen. Wir erstatten ihnen einen
Blitzbericht.
Pindik sagt: 4000 km gefahren.
Bienchen: Es war sehr, sehr, sehr schön, wenn auch zwischendurch ein
wenig anstrengend.
Und ich deklamiere zwei Gedichtzeilen aus der Feder des alten
Geheimrats:
Vom Osten nach Westen
Zuhause am besten!
Auch hierzulande heißt es: Zum Glück gelangt die Jugend rennend,
das Alter aber sitzend!
Tatsächlich fühlen wir uns unter unserem eigenen Dach, wie die
Schwaben zu sagen pflegen, saumäßig wohl und freuen uns auf die
wieder einmal eingekehrte Ruhepause in unserem bisherigen
Dauernomadenleben.
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